Wilhelm Kerl
2. Februar 1880, Wien – 29. Mai 1945, Wien
Wilhelm Kerl promovierte 1906 in Wien. Nach einer chirurgischen Ausbildung trat er in die Universitätshautklinik unter Gustav Riehl ein und wandte sich der Dermatologie zu. Bereits 1915 habilitierte er sich für Dermatologie und Syphilidologie und übernahm wenig später die Leitung des Ambulatoriums für Haut- und Geschlechtskranke am Kaiserin-Elisabeth-Spital. 1926
folgte Kerl einer Berufung nach Innsbruck, kehrte jedoch bereits ein Jahr
später wieder nach Wien zurück. Dort übernahm er die Leitung der Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, die er bis 1938 innehaben sollte. Während des autoritären Ständestaates war Kerl Dekan der medizinischen Fakultät (1933/34 bis 1936/37).
Aufgrund seiner Nähe zum Dollfuß/Schuschnigg-Regime wurde Kerl nach dem „Anschluss“ rund acht Wochen inhaftiert. Er verlor die Lehrbefugnis und wurde schließlich in den Ruhestand versetzt. In den Augen des NS-Regimes kam erschwerend hinzu, dass Kerls Ehefrau nach der NS-Rassengesetzgebung als Jüdin galt. Er führte während der Kriegszeit eine Hautarztpraxis
in Wien.
Nach Kriegsende wurde Wilhelm Kerl rehabilitiert und fungierte – aufgrund seines baldigen Todes nur für kurze Zeit – als Vorstand der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten, als Prodekan der medizinischen Fakultät sowie als amtsführender Stadtrat für Volksgesundheit der Gemeinde Wien.
Text nach Gedenkbuch Uni Wien, Gedenkbuch Josephinum.